Allgemein

Als erstes Vorweg: Neuankömmlinge sollten nach Ankunft schnellstmöglich und in gesundem Zustand einen Arzt ihres Vertrauens finden und den Papierkram zügig erledigen. Dies gilt vorallem für Primary Care (also den Hausarzt) und Kinderarzt. Der Papierkram ist hier zu Lande nämlich meist ein Stoß von Formularen, mit lauter Kleingedruckten, auf jeder zweiten Seite sind noch mal Adresse, DOB etc. anzugeben. Im besten Fall bekommt man die Formulare schon im Vorfeld von der Praxis zugeschickt. Das Bearbeiten nimmt jedenfalls selbt bei weniger akribischem Durchlesen einige Zeit in Anspruch.
So kann es sonst im Ernstfall zu einem bösen Erwachen kommen, wenn die Krankheit akut ist und man sich noch durch die Unzahl an Formalitäten wühlen muss, die beim Erstbesuch abzuarbeiten sind. Und im Zweifelsfall der ersehnte Arzttermin erst zwei oder drei Wochen später stattfinden kann. Es gibt zwar sogenannte ambulante Arztpraxen (z.B.  MD 360) bei denen man ohne Termin erscheinen kann, diese sind dann aber keine Spezialisten und sollte etwas Gravierenderes vorliegen, kann es noch länger dauern bis man zum Facharzt (siehe unten) überwiesen wird.

Je nach Versicherung werden die Leistungen in der Regel voll oder teilweise getragen. Am besten, nach Möglichkeit bei größeren Untersuchungen/ Eingriffen im Vorfeld mit der Versicherung klären, ob die Summen gedeckt sind. Zum Erstbesuch eines Arztes oder Krankenhauses immer SSC Number und die Versichertenkarte mitbringen.

  • Primary Care: Anders als in Deutschland bekommt man vorallem in größeren Praxen  oft mals nur eine Registered Nurse zu Gesicht. Dies sind speziell ausgebildetete Krankenschwestern, die bei uns vermutlich eine Mittelstellung zwischen Arzt und Krankenschwester hätten. Meist wird man auch von verschiedenen Personen vorher untersucht, erstmal wird das Blut abgenommen, dann Gewicht kontrolliert, dann kommt eine Nurse um den Anlass deines Besuchs aufzunehmen und dann erst geht es an den eigentlichen Teil, der Untersuchung bei der RN oder auch dem Doktor.
  • Gynäkologen (Gyn/OB): System funktioniert hier meist genauso. Wie gesagt, zumindest bei den großen Praxen. Die Untersuchungen sind ähnlich wie in Deutschland. Allerdings legt man sich nicht einfach auf den Stuhl sondern bekommt immer ein Papiermantel an, der einen verdeckt. Ein männlicher Arzt wird bei einer Untersuchung in der Regel von einer Frau begleitet aus o.g. Gründen.
    Bei den Obstreticans (Geburtsärzten) sind die Ärzte  in der Regel an ein spezielles Krankenhaus gebunden. Hier also zum Beispiel Greenville Memorial oder San Francis. Am besten also ggf. vorher klären, wo man entbinden möchte. Es gibt hier dann die gleichen Vorsorgeuntersuchungen wie in Deutschland, allerdings wird normalerweise nur ca. 3 Ultraschall (SS Feststellung, 13./14. KW, 20. KW) über die Bauchdecke gemacht. Ein weiterer (in diesem Fall meiner Meinung nach negativer) Unterschied: wenn man Beschwerden hat und in der Praxis anruft, um einen Termin zur Abklärung zu bekommen, wird man immer erstmal an eine Nurse weitergeleitet, die einen telefonisch dann berät. Hier mußte ich leider die Erfahrung machen, richtig penetrant auf einen weiteren Termin in der Praxis zu bestehen. Erst wenn sie ihr grünes Licht gibt, kann man den Termin bekommen. Insgesamt hab ich die Erfahrung gemacht, dass wie gesagt, das ganze Schwangerschaftsthema sehr entspannt behandelt wird.
  • Kinderarzt (Pediatricians): sehr vergleichbar mit Deutschland. Aufgefallen ist mir hier nur das Wartezimmer, was anders als in deutschen Kinderarztpraxen keinerlei Spielzeug enthält (vermutlich aus Hygienegründen) dafür große Flatscreens mit Disneyfilmen.
  • Fachärzte: Zu einem Facharzt kommt man normalerweise nur über eine Referral, also eine Überweisung. Diese wird einem jedoch nicht ausgehändigt, sondern die Praxis kontaktiert den Facharzt direkt. Das heißt, man erhält dann je nach dem innerhalb der kommenden Tage oder Wochen  einen Anruf oder auch Brief von dem Facharzt zur Terminfestlegung. Sollte dies zu lange dauern, ruhig noch mal bei der überweisenden Praxis anrufen und nachfragen.
  • Zahnarzt: vergleichbar mit Deutschland.
  • Augenarzt: Untersuchung läuft wie im Deutschland ab. Man bekommt am Ende ein Rezept, mit dem man dann zu jedem Optiker (z.b. Stanton, lensware) gehen kann.

Siehe hier Empfehlungen

Im Ländervergleich kann man sagen: Die Leistungen für die Patienten hier zu Lande differieren sehr stark von der Versicherung des jeweligen Patienten. Als Expat ist man ja in der Regel ja sehr gut abgedeckt und muß sich bezüglich fachlicher Betreuung keine Sorgen machen. Und eine sehr persönliche Einschätzung: Alles, für das hier jemand verklagt werden könnte, wird doppelt und dreifach abgesichert. Alles andere dafür etwas lapidarer gehandhabt.